Die Nachrichten dominiert wohl keine andere Region so stark wie der Nahe Osten. Die Hoffnungen, die in den sog. Arabischen Frühling gesetzt wurden, sind in Ernüchterung umgeschlagen. Statt demokratischer Organe haben sich militante Regierungen gebildet, die gerade auch religiösen Minderheiten wenig Spielraum geben. Die bisher wenig absehbaren Entwicklungen gestehen ihnen überhaupt keinen Raum mehr zu und es bleibt oft nur, die Region zu verlassen. Und wer es noch nicht getan hat, der spielt wenigstens mit dem Gedanken. Seit vielen Jahren kämpfen die Kirchen des Nahen Ostens mit Emigration. Die jüngsten Entwicklungen schockieren einmal mehr und minimieren hoffnungsvolle Blicke in die Zukunft. Doch ist es unumstößlich, dass das Christentum seine Wurzeln im Nahen Osten hat. Jesus von Nazareth hat in Israel/Palästina gewirkt und die ersten Gemeinden gründeten sich von dort ausgehend. Über die Jahrhunderte prägten die Christen das Gesicht des Orients und gaben ihm ein unverwechselbares „Flavour“ (Assaad E. Kattan), ein Flavour der Pluralität und der Koexistenz der Religionen. Gerade letztere wurde durch zahlreiche religiös motivierte Konflikte auch immer wieder auf die Probe gestellt.

 Sich mit dem Oriens Christianus in seiner Vielgestaltigkeit auseinanderzusetzen, ist vor diesem Hintergrund einmal mehr notwendig. Dafür ist nicht nur in die Geschichte der christlichen Konfessionen einzutauchen und deren konfessionelle Eigenheiten kennenzulernen, sondern vor allem sind auch Fragen der friedlichen Koexistenz aufzugreifen und zu diskutieren. Gerade auch von Chancen und Herausforderungen des gemeinsamen Miteinanders zu hören ist notwendiger denn je in einem Land, in dem durch Bündnisse wie Pegida neue Töne eingezogen sind. Diesem Anliegen sind verschiedene Exkursionen des Lehrstuhls für Kirchen- und Christentumsgeschichte (Alte Kirche/Mittelalter) nachgegangen.

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