Forschung

DFG-Projekt „Innerbiblische Schriftauslegung in den Erzähltexten des Pentateuch“ (erste Förderphase 2014-2018; zweite Förderphase 2019-2022)

Die Genese weiter Teile des Alten Testaments lässt sich als innerbiblische Schriftauslegung erklären, wonach sich jüngere Texte an ältere Texte angelagert und sie so laufend aktuali­sie­rend an die jeweilige Gegenwart der Autoren fortgeschrieben haben. Bei einer solchen Berücksichtigung der sukzessiven Entstehung und theologischen Anreicherung der biblischen Texte erfahren insbesondere auch die jüngeren, so genannten sekundären Textpartien eine eigene theologische und theologiegeschichtliche Würdigung.
Die Beobachtung solcher innerbiblischer Auslegungsphänomene ging in der bisherigen For­schung einerseits von sehr späten alttestamentlichen oder von frühjüdischen Texten, die die Texte des nachmaligen Alten Testaments bereits in Teilen abgeschlossen vorliegen hatten, aus und wurde andererseits vor allem an den Prophetenbüchern und den Gesetzestexten untersucht. Demgegenüber sind die alttestamentlichen Erzähltexte bisher kaum eingehend mit Blick auf Auslegungsphänomene analysiert worden. Zu untersuchen ist hier insbe­son­dere, ob die für die prophetischen und Rechts-Texte erkennbare Intention der Aktualisierung vorgegebener Texte auf die jeweilige Gegenwart in gleicher Weise auch für die Erzähltexte feststellbar ist, oder ob die an den Erzähltexten zu beobachtenden Auslegungsphänomene andere theologische Funktionen verfolgen.
Ziel und Aufgabe des Projektes ist es daher, Auslegungsprozesse innerhalb der Erzähltexte des Pentateuch aufzuweisen, diese anhand von repräsentativen Beispielen auf ihre litera­ri­schen Techniken und inhaltlichen Intentionen hin zu analysieren und zu klassifizieren, sowie mit den entsprechenden Ergebnissen aus der Erforschung der Rechtstexte und der Prophe­tenbücher zu vergleichen. Darüber hinaus zielt das Projekt auch auf eine Relationierung der Begriffe innerbiblische Schriftauslegung, Redaktion(sgeschichte) und Intertextualität.
Mögliche Anknüpfungspunkte bieten sich für hermeneutische, systematisch-theologische und auch homiletische Fragestellungen, insofern sich weiter fragen lässt, inwiefern moderne Auslegerinnen und Ausleger in ihrer Tätigkeit in Kontinuität zu den innerbiblischen Auslegern stehen.

Projektleiter

Jun.-Prof. Dr. Walter Bührer

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen

Leonie K. Stör (seit 2020)
Kevin J. Mattison (2019)
Meike J. Röhrig (2015-2018)

 

EABS Research Group „Citations and Allusions in the Hebrew Bible“


Gemeinsam mit PD Dr. F.-E. Focken, Heidelberg und PD Dr. J.J. Krause, Tübingen

The notion that texts within the Hebrew Bible refer to each other and that neglect of such references leads to an imperfect understanding of a given text has garnered much attention in recent years. There are substantial bodies of both methodological debate and case studies. For all that, core problems wait to be settled with at least a relative consensus. Among them are the differentiation between citations, allusions, and similar textual references on the one hand and affinities between texts induced by different factors on the other hand; criteria for discerning textual references, and their strength relative to each other; categories for a detailed description of textual references; and a rigid scrutiny regarding modes of marking citations. As concerns case studies, a sustained effort is needed to collect and compare the various scholarly results. The time is ripe for bringing together scholars working in the field in order to critically examine what has been achieved so far, and to draw attention to pressing questions which have remained unresolved heretofore. The research group shall be a platform to do that. It will focus on cases of citations and allusions, that is, on actual, intentional references from one text to another.

 

EABS Workshop „Metacriticism: On Methodological Problems of Biblical Exegesis“

Gemeinsam mit Dr. F.-E. Focken, Heidelberg und Dr. J.J. Krause, Tübingen

Working towards a theory of exegesis, the workshop sets itself to critically reflect on modes and methods of biblical criticism. More to the point, we aim to focus on premises and presuppositions of exegetical work that generally tend to remain implicit and/or unconscious. The first and most fundamental goal is to bring them to mind explicitly. In view of widely varying analyses of one and the same text supposedly employing the same method, we thereby suggest to explore how certain models of textual development are predetermined by their underlying presuppositions. Such metacriticism, however, is no end in itself. Rather, it is meant to enable dialogue and genuine cooperation among biblical scholars of different schools as well as with representatives of neighboring disciplines. At the end of the day, it aims at critically assessing the validity of the said presuppositions, thus helping to lay a more solid foundation for actual exegetical work.

 

Tagungs- und Buchprojekt „Relationale Erkenntnishorizonte als Bindeglied zwischen Exegese und Systematischer Theologie?“

Tagung vom 21.-22.04.2017 in Bochum

Gemeinsam durchgeführt mit Dr. R.J. Meyer zu Hörste-Bührer, Mainz

Die Tagung und der Tagungsband verfolgen zwei Hauptziele: Einerseits geht es um die Frage, was die Rede von Relationalität oder der Beziehungshaftigkeit Gottes und der Menschen besonders in den exegetischen Disziplinen und der Systematischen Theologie konkret für die jeweiligen Disziplinen und die Theologie insgesamt austrägt. Andererseits wird die Frage gestellt, ob gerade der Blick auf die Beziehungen von Gott und Menschen eine inhaltliche Schnittmenge zwischen Exegese und Systematischer Theologie darstellt. Denn der Beziehungswille Gottes und das Menschsein in Beziehungen, nach dem die Systematische Theologie fragt, sind den alt- und neutestamentlichen Texten bereits inhärent. Die Tagung wie der Tagungsband reagieren damit auch auf die speziell in den letzten Jahren nochmals besonders deutlich gewordenen Diskrepanzen zwischen den einzelnen theologischen Disziplinen und versuchen durch die Profilierung relationaler Denkstrukturen den Zusammenhang der Theologie als ganzer zu betonen.

 

Forschungsnetzwerk „Theorie und Methode der Schriftbindung evangelischer Theologie“

Das Netzwerk aus 14 Nachwuchswissenschaftler_innen aus den exegetischen Fächern und der Systematischen Theologie verhandelt die Frage nach der Bedeutung des „sola scriptura“ protestantischer Theologie für gegenwärtige theologische Urteilsbildung.

Die anhaltende Diskussion um die sog. „Krise des Schriftprinzips“ stellt die protestantische Theologie angesichts der identitätsstiftenden Forderung der reformatorischen „sola-scriptura-Formel“ vor zentrale Herausforderungen. Das Netzwerk begegnet diesen mit einem interdisziplinären Ansatz auf der Grundlage einer gemeinsam entwickelten Theorie der „Schriftbindung“: Schriftbindung bezeichnet einen prozessorientierten und in mehrfacher Hinsicht relationalen Bezug der Theologie auf die Schrift. Sie berücksichtigt die Relation zwischen Schrift und ihren Rezipienten, ebenso wie die Relation zu ihren Interpretamenten, sowie der Pluralität in der Schrift und ihren Auslegungen. Schriftbindung versteht sich als Neuformulierung der reformatorisch mit dem „sola scriptura“ zum Ausdruck gebrachten Anliegen im Gespräch mit Formulierungen eines Schriftprinzips. Die interdisziplinäre Zusammensetzung stellt sich zugleich den in der Krise des Schriftprinzips gründenden Herausforderungen der theologischen Formalenzyklopädie.

Ziel des Netzwerks ist die gemeinsame Formulierung einer interdisziplinären Theorie der Schriftbindung in thesenartiger Form, die voraussichtlich 2020 veröffentlicht wird.

 

Netzwerkmitglieder:

Clarissa Breu (Wien, Neues Testament)

Jun.-Prof. Dr. Walter Bührer (Bochum, Altes Testament)

Dr. Johanna Conrad (Marburg, Neues Testament)

Dr. Friedrich-Emanuel Focken (Heidelberg, Altes Testament)

Dr. Nadine Hamilton (Erlangen, Systematische Theologie)

Dr. Stephen J. Hamilton (Marburg, Systematische Theologie)

Elisabeth Maikranz (Heidelberg, Systematische Theologie)

Dr. Raphaela J. Meyer zu Hörste-Bührer (Mainz, Systematische Theologie)

Elizabeth Morgan-Bukovics (Wien, Systematische Theologie)

Dr. Frederike van Oorschot (Hannover, Systematische Theologie)

Prof. Dr. Scott Paeth (Chicago/IL, Systematische Theologie)

Torben Stamer (Bamberg, Systematische Theologie)

Kinga Zeller (Aarhus/Kiel, Systematische Theologie)

Carolin Ziethe (Heidelberg, Neues Testament)