Anschrift


Ruhr-Universität Bochum
Evangelisch-Theologische Fakultät
Professur für Interkulturelle Theologie und Körperlichkeit
GA Süd 8/51-53
Universitätsstraße 150
D-44780 Bochum

E-Mail:interkulturelle-theologie@rub.de



Sprechstunden im Sommersemester 2021

Prof. Dr. Claudia Jahnel


donnerstags 12-14 Uhr über Zoom

Um Überschneidungen zu vermeiden, melden Sie sich bitte zur Sprechstunde per Mail.claudia.jahnel@rub.de an und nennen Sie dabei auch schon Ihr Anliegen.
Sie können sich natürlich auch jederzeit mit Fragen und Anliegen per Mail an Frau Jahnel wenden.

 



Kristina Göthling-Zimpel
Frau Göthling-Zimpel ist im Mutterschutz/Elternzeit.

Alena Höfer

alena.hoefer@rub.de

Bitte melden Sie sich per Mail an und nennen Sie schon mal Ihr Anliegen.

Dr. Claudia Rammelt

claudia.rammelt@rub.de

Frau Dr. Rammelt ist jederzeit per Mail erreichbar!
Wenn möglich gerne auch persönlich vor Ort nach individueller Vereinbarung.

Malte Cramer


E-Mail: malte.cramer5@rub.de




Informationen zur Prüfung


Nähere Informationen und Hinweise zur Prüfung in Religionswissenschaft und Interkultureller Theologie finden Sie unter der Rubrik Lehre.


Vom 05.-08.09.2021 fand in Zürich der XVII. Europäischer Kongress für Theologie statt.

Plakat Theologiekongress Zürich 2021
© Universität Zürich

Frau Prof. Dr. Jahnel hielt einen Vortrag zum Thema: „Das Biest aus dem Süden“ Schriftkritik als kultureller Aushandlungsprozess

Zitat aus Ankündigung des Vortrags:

Im Streit um die Frage, ob die Mehrheit des Christentums des globalen Südens in der Identifikation mit der archaischen Lebenswelt des Alten und Neuen Testaments einem geschichtslosen Missverständnis biblischer Texte frönt (Jenkins, Riesebrodt) oder ob nicht bereits der Imperialismus des Schriftgebrauchs in Kolonialismus und Mission (Sugirtharaja, Dube) eine zutiefst ideologische und kritiklose Umgangsweise mit biblischen Texten mitgebracht hat, die subversive Strategien und alternative Epistemologien im Umgang mit der Schrift erst hervorgerufen hat, wirft der Beitrag den Blick auf die Zwischenräume – also jene Zonen, in denen der Streit um Interpretation religiöse Kulturen auf verschiedenen Seiten verändert hat: Prozesse der Schriftübersetzung, Verflechtungen zwischen missionarischen Auslegungstraditionen und theologischer Ausbildung im globalen Süden, kulturkritische Neuinterpretationen biblischer Schriften.
▶ Hier können Sie den ganzen Vortrag sehen.

Hier finden Sie das Programm der Tagung.

Dem Schmerz Begegnen - Theologische Deutungen

Soeben ist dieses Buch in der Reihe "Religionswissenschaft" im transcript Verlag erschienen.



Cover Dem Schmerz Begegnen

Anlässlich eines Dies Academicus hat sich die Evangelisch-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum im November 2019 mit einem spezifischen Aspekt des Themas Schmerz beschäftigt. Es ging unter der Überschrift »Observing Pain« darum nachzuspüren, was geschieht, wenn Menschen dem Schmerz anderer begegnen.

Die Begegnung mit dem Schmerz führt, so zeigen die verschiedenen Beiträge in diesem Band, in eine Vielzahl von Schmerzerfahrungen und von mitunter konkurrierenden Schmerzdeutungen und Schmerzbeobachtungsschemata.

Angesichts der Vielzahl schmerzverharmlosender, -vermeidender oder -verherrlichender Debatten – von der technischen Optimierung körperlicher Leistungsfähigkeit über entmaterialisierende Visionen von Transhumanismus, Robotik und KI bis hin zu Herausforderungen von Palliativmedizin und Sterbehilfe – wäre es heute an der Zeit, die theologische und philosophische Dignität der Schmerzerfahrung und -begegnungwieder neu zu entdecken und zur Sprache zu bringen. Hier finden Sie weitere Informationen.

Soeben in 2. überarb. u. erw. Aufllage erschienen: Handbuch Gender und Religion

Cover Handbuch Gender Und Religion


Öffentliche Debatten zeigen, wie relevant Religionen für das Verständnis von Genderrollen und umgekehrt Gendervorstellungen für das Erforschen von Religionen sind.

Die erste Auflage des Handbuches Gender und Religion erschien 2008. Als erstes Studienbuch zu diesem Thema füllte es damals eine Lücke im deutschsprachigen Raum.
In der neuen Ausgabe wurde ein Teil der Kapitel aus der ersten Ausgabe gründlich revidiert. Darüber hinaus sind mehr als die Hälfte der Beiträge für die neue Fassung geschrieben worden. Diese neuen Artikel nehmen die aktuellen wissenschaftlichen Blickwinkel zu Gender und Religion auf und reflektieren sie.

Frau Prof. Dr. Claudia Jahnel und Frau Kristins Göthling-Zimpel (MA) sind jeweils einen Artikel darin veröffentlicht. Hier finden Sie weitere Informationen.

Soeben erschienen: Overcoming Violence

Overcoming Violence Cover


Aus Anlass des 25. Jahrestages des Völkermordes in Ruanda und der zeitgleichen Verschärfung der gewaltsamen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung in der Region Ost-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo trafen sich 2019 Wissenschaftler*innen und Studierende aus dem Gastgeberland Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo, Kenia, Kamerun, Südafrika, Deutschland, Österreich, Bosnien-Herzegowina und der Schweiz, um über das Thema "Überwindung von Gewalt" zu diskutieren. Gastgeber und Veranstalter waren das Protestant Institute of Arts and Social Sciences (PIASS) in Butare, die Presbyterianischen Kirche von Ruanda (EPR) und der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Der vorliegende Band ist eine Dokumentation der Vorträge dieser Konferenz.
Hier finden Sie weitere Informationen.

Alena Höfer und Malte Cramer stellen ihr Projekt in den RUB News vor

Alena Höfer und Malte Cramer haben ihr Projekt „Interkulturelle Bibelhermeneutik“
Zum Wintersemester 2021/22 startet das Projekt „Interkulturelle Bibelhermeneutik. Kontextuelle Exegese im theologisch-interdisziplinären Diskurs“.

Hier können Sie den ganzen Beitrag lesen.


„Religiöse Pluralität entdecken, reflektieren und sichtbar machen. Migrantische religiöse Gemeinschaften vor Ort“

2. Studentische Konferenz der Professur für Interkulturelle Theologie und Körperlichkeit


Das Ruhrgebiet und auch Bochum sind von interkultureller Vielfalt und oft eher von einem interreligiösen Nebeneinander als einem Miteinander geprägt. Viel zu selten jedoch machen wir uns auf den Weg, um die syrisch-orthodoxe Gemeinde, die Hinterhofmoschee oder den hinduistischen Tempel in der Nachbarschaft näher kennenzulernen. Das Transferprojekt „Religiöse Pluralität entdecken, reflektieren und sichtbar machen. Migrantische religiöse Gemeinschaften vor Ort“ versucht da anzusetzen und Türen zu fremden Kulturen, Traditionen und Religionen zu öffnen. Die interkulturelle Begegnung war ebenso grundlegendes Element wie der interreligiöse Austausch mit unterschiedlichsten Glaubensrichtungen. Studierende haben sich in den letzten Wochen in verschiedene Gemeinden auf den Weg gemacht, um die interkulturelle Landschaft und interreligiöse Pluralität lokal zu entdecken, kennenzulernen und sich damit auseinanderzusetzen. Das Ergebnis ihrer Projekte präsentieren sie auf der 2. studentischen Konferenz, genauso werden weitere Forschungsprojekte vorgestellt. Alle sind herzlich dazu eingeladen! Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier. 

Foto Migrationsseminar
© privat

Migration lokal denken. Religiöse Gemeinschaften vor Ort

neuer Zertifikatskurs an der Akademie der Ruhr- Universität Bochum


Deutschland ist bunt. Da gibt es Geschichten von Migration, nicht selten erlebt als Flucht und Vertreibung. Und Geschichten von selbstverständlichem Zu-Hause-Sein. Den jeweils Anderen bleiben nicht nur diese Geschichten oftmals verborgen. Auch mitgebrachte ebenso wie einheimische religiöse Praktiken und Liturgien muten fremd an, geheimnisvoll und unbekannt. Im Alltag ist meist kein Raum, um dem religiös Anderen auf die Spur zu kommen. Das zertifizierte Qualifizierungsprogramm „Migration lokal denken“ bietet einen Raum und Gelegenheit für Interessierte aus Kirche, Diakonie und Gesellschaft, wissenschaftlich, empirisch und im Austausch interkulturelle Erfahrungen zu reflektieren und interkulturelle Begegnung zu vertiefen. Religionslehrer*Innen, Pfarrer*Innen und andere Verantwortliche in den Bereichen sozio-kultureller Bildung und Beratung mit und ohne Migrationshintergrund, die mit der veränderten und pluralen religiösen Landkarte in Deutschland konfrontiert sind und die ihr interkulturelles Wissen und ihre Kompetenz in diesem Feld erweitern wollen, sind herzlich eingeladen, an diesem Zertifikatsstudiengang teilnzunehmen. Er ist als Weiterbildungsmaßnahme konzipiert. Weitere Informationen finden Sie hier. 

Das Beste von Pfingsten - Frau Prof. Jahnel zu Gast beim "Forum Ökumene"

Wie passen akademische Theologie und pfingstkirchliche Frömmigkeit zusammen? Zu dieser Frage hatte das „Forum Ökumene“ ins Tübinger Schlatterhaus und online eingeladen, 65 Interessierte nahmen teil.
Frau Prof. Jahnel und der Basler Professor Dr. Andreas Heuser waren zu Gast.  

„Ökumene in der evangelisch-theologischen Aus- und Fortbildung in Deutschland“ - Impulspapier der EKD erschienen

Cover Impulspapier EKD
Lupe
© EKD


Unter dem Titel „Ökumene in der evangelisch-theologischen Aus- und Fortbildung“ hat die Kammer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Weltweite Ökumene ein Impulspapier veröffentlicht. Deutschland wandelt sich mehr und mehr von einer bi-konfessionellen in eine multikonfessionelle und multireligiöse Gesellschaft. Das stellt neue Anforderungen an alle, die in Kirche, Schule und Diakonie arbeiten. Die Kammer für Weltweite Ökumene hält deshalb Veränderungen in Studium und Ausbildung für verschiedene kirchliche Berufe für notwendig.

Die Kammer plädiert in dem Impulspapier für einen weiten Ökumene-Begriff: Ökumene sei nicht nur das Bemühen um die Einheit der christlichen Kirchen. „Wir denken dabei in Deutschland oft nur an die Verständigung zwischen evangelisch und katholisch“, sagt die Kammervorsitzende, Prof. Ulrike Link-Wieczorek (Oldenburg) und führt weiter aus: „Doch christlicher Glaube existiert weltweit in vielen kulturellen und konfessionellen Gestalten.“ In einer von Globalisierung und Migration geprägten Gegenwart gelte es, diese Vielgestaltigkeit wahrzunehmen. Das Wissen darum erleichtere auch den Dialog mit anderen Religionen.

Im Studium solle Ökumene deshalb nicht bloß ein Zusatzfach oder Spezialgebiet sein. Die ökumenische Perspektive müsse theologisches Lernen heute von Anfang an leiten. Zugleich seien konkrete Formate nötig, um interkulturelle und ökumenische Kompetenzen zu erwerben. Dazu gehörten auch außeruniversitäre Lernorte, Praktika, Reisen sowie ökumenische Begegnungen im In- und Ausland. Eine besondere Rolle spielten Aus- und Fortbildungseinrichtungen, die interkulturell und international ausgerichtet sind.

Das Impulspapier kommt zu dem Schluss, dass ökumenische und interkulturelle Kompetenzen noch stärker als bisher in Studienplänen und Prüfungsordnungen verankert werden müssen. Es wendet sich deshalb besonders an diejenigen, die Verantwortung tragen für die zukünftige Gestalt der theologischen Aus- und Fortbildung sowie diakonie- und entwicklungsbezogener Studiengänge.

Hannover, 14. Juni 2021

Pressestelle der EKD

pdf Version der Veröffentlichung

Gibt es das authentische Yoga? - Frau Prof. Jahnel im Interview

Das authentische Yoga gibt es nicht. Zwischen Politik, Religion und kolonialem Erbe.
Claudia Jahnel im Gespräch mit Anne Françoise Weber, Deutschlandfunk Kultur, 13.06.2021.

Hier können Sie das Interview in voller Länge hören. 



Online-Tagung: Identitäten – Kulturen – Konflikte

Plakat Veranstaltung
Lupe



Vom 7.und 8. Mai 2021 findet 25 Jahre nach Erscheinen seines Buches The Clash of Civilizations diese Tagung statt.

Organisiert wurde Tagung durch den Lehrstuhl für Intercultural Social Transformation und das Zentrum für Globale Fragen der HFPH München in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen an
der Paris-Lodron-Universität Salzburg.

Frau Prof.Dr. Claudia Jahnel hält einen Vortrag mit dem Titel: „Es gibt keine Kultur, aber wir brauchen sie unentwegt“

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Haben Sie Interesse, senden Sie bitte kurzfristig Ihren Namen und wahlweise Ihre Organisation oder Ihren Studienhintergrund an lena.schuetzle@hfph.de. Sie erhalten daraufhin die Anmeldedaten und weitere Informationen.

Veranstaltungsankündigung

Flyer Forum Ökumene
Lupe
© ESG

In der evangelischen Studierendengemeinde (ESG) hält Frau Jahnel einen Vortrag.





Weitere Informationen finden Sie hier

Alena Höfer erhielt den Hochschulpreis 2020


Im Rahmen der 106. Landesversammlung des Evangelischen Bundes am 13. November 2020 wurde auch der Hochschulpreis verliehen.
Alena Höfers Arbeit “Die Spannung zwischen Universalismus und Partikularismus in der Ökumene aus theologischer und interkultureller Perspektive” konnte die Jury überzeugen.
Die Laudatio hielt der Generalsekretär des Evangelischen Bundes, Dr. Richard Janus.

Preisverleihung
Lupe














Impulse für den Sonntag Lätare, 14.3.2021



Im Rahmen des ökumenischen Kooperationsprojekts "nachhaltig predigen" ist ein ökumenisches Kooperationsprojekt. In diesem Format hinterfragen seit 2005 Theolog*innen Bibelstellen nach ihrem Bezug zur Nachhaltigkeit. Grundlage sind die Bibelstellen, die die kath. Leseordnung und die ev. Perikopenordnung für die Sonn- und Feiertage vorgeben.

Prof. Claudia Jahnel hat zum 4. Fastensonntag (14.03.21) einen Predigtimpuls verfasst.

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Ankündigung zur Ringvorlesung Sommersemester 2021

Fakultätsübergreifend findet im Sommersemester eine Ringvorlesung online statt.

Plakat Ringvorlesung Sose 2021
Lupe


"Globale Christentümer: Theologische und Religionswissenschaftliche Perspektiven". Unter diesem Thema können Studierende und Interessierte immer dienstags von 14.15-15.45 Uhr neue Perspektiven kennenlernen. Organisiert wird die Online-Ringvorlesung von Martin Radermacher, CERES. Teilnehmende erhalten den Zoom-Link nach Anmeldung über eCampus.

Mehr Informationen zur Ringvorlesung finden Sie hier.

Begleitende Veranstaltungen zur Ringvorlesung:



Seminar Globale Christentümer in historischer Perspektive: Mission, Pluralisierung, Inkulturaltion (Grümme/Jahnel)

▶ Di, 16-18 Uhr

Lektürekurs Globale Christentümer (Höfer)

▶ Di 10-12 Uhr








Interkulturelle Theologie

Interkulturelle Theologie befasst sich mit den vielfältigen Gesichtern, die das Christentum heute infolge seiner geografischen Ausbreitung und der daraus resultierenden interkulturellen und interreligiösen Aushandlungsprozesse und Dialoge kennzeichnen.

Mit der deutschlandweit einzigartigen Fokussierung des Faches auf Körperlichkeit stellt sich die Interkulturelle Theologie an der RUB in den Kontext einer großen Frage unserer Zeit nach der Zukunft des Körpers zwischen seinem transhumanistischen bio-technischem Enhancement und dem Traum von der Überwindung von Krankheit, Altern und Tod einerseits und der Anwaltschaft für die Verletzlichkeit des Körpers und dem Widerstand gegen gesellschaftliche und kulturelle Normierungen und Normalisierungen andererseits.


Interkulturelle Theologie ist interdisziplinär

Interkulturelle Theologie ist, historisch betrachtet, aus dem Zusammenspiel von Religionswissenschaft, Missionswissenschaft und weltweiter Ökumene heraus entstanden. Neben diesen Forschungstraditionen sind ihr in der Auseinandersetzung mit Kolonialismus, antikolonialen Befreiungsbewegungen und Postkolonialismus, zunehmender Globalisierung, Säkularisierung und „Wiederverzauberung“, Genderdebatten, Migrationsforschung und kulturell-religiöser Pluralisierung Europas weitere methodische Zugangsweisen und Forschungsfelder zugewachsen.
Interkulturelle Theologie forscht und lehrt – die administrativ-wissenschaftspolitischen disziplinären Grenzziehungen überschreitend ¬– trans- und interdisziplinär. Von ihrer Herkunftsgeschichte her steht sie in besonderer Nähe zu Ethnologie, Anthropologie, außereuropäischen Philologien, Religionswissenschaft und Missionswissenschaft. Heute bezieht sie Gegenstände und Diskussionen auch aus anderen Disziplinen ein wie der Philosophie, der Soziologie, den Literaturwissenschaften oder der Medizin sowie der im Kontext globaler Verflechtungen erwachsenen, quer zu diesen Disziplinen liegenden postcolonial und subaltern studies. Letztere haben zusammen mit den Einsichten der neueren Kulturwissenschaften (cultural turns) die selbstkritische Reflexion der Produktion von Wissen über Kulturen, transkulturelle Verflechtungen und damit nicht zuletzt auch die Machtbeziehungen ins Zentrum der Interkulturellen Theologie gerückt.


Interkulturelle Theologie als Kulturwissenschaft

Die Einbindung kulturwissenschaftlicher Perspektiven in die Theologie ist nicht neu. Einer der renommiertesten Grenzgänger zwischen Theologie und Kultur war Ernst Troeltsch, für den die umwälzenden Veränderungen der Neuzeit mit der Notwendigkeit einer theologischen Reflexion dieser massiven kulturellen Veränderungen verbunden waren. Die rasanten Globalisierungsprozesse heute fordern die Theologie erneut dazu heraus, Gesellschaft, Kultur und Politik theologisch zu reflektieren – und dazu bedarf sie besonders der Einsichten andere kulturwissenschaftlicher Disziplinen und der Kooperation mit diesen.
Mein Markenzeichen in Interkultureller Theologie ist der kulturwissenschaftliche Zugang. Religionen sind kulturelle Systeme (Clifford Geertz). Das bedeutet: Religionen – einschließlich des Christentums – und kulturelle Zuschreibungen, Praktiken, kulturelles Wissen und kulturelle Symbole beeinflussen sich gegenseitig. Kontextuelle Theologien aus Asien, Afrika oder Lateinamerika entstehen wie europäische oder nordamerikanische Theologien nicht in einem kulturfreien Raum, sondern sind zutiefst geprägt von den Berührungen, Konflikten und Wechselwirkungen, die der Kontakt zwischen dem „christlichen Europa“ und anderen Zentren der Welt hervorgerufen hat. Diese kulturellen und religiösen Wechselwirkungen und interkulturellen Verflechtungen sind geradezu ein Charakteristikum heutiger kulturell pluraler Gesellschaften geworden. Der kulturwissenschaftliche Zugang trägt in spezifisch theologische Topoi und Debatten hochaktuelle kulturelle und gesellschaftliche Fragen ein wie die nach Identität und Zugehörigkeit, Sinn und Wissen, Macht und Gewalt oder Freiheit und Handlungsmacht.


Interkulturelle Theologie als theologische Disziplin

Interkulturelle Theologie ist deshalb jedoch nicht nur beschreibende, Theologie wahrnehmende Wissenschaft, sondern sie trägt auch zur „Theologiebildung“, das heißt: Sie hat auch eine orientierende und in diesem Sinn kritisch-normative Aufgabe und ist darin eine eigenständige theologische Disziplin mit vielfältigen Aufgaben für das Ganze der Theologie. Indem sie sich mit der synchronen wie diachronen Vielfalt der Christentümer und den interkulturellen Transformationsprozessen, die zu dieser Verschiedenheit beigetragen haben und beitragen, befasst, baut sie nicht nur Brücken des Verstehens und der Hermeneutik des Fremden. Sie trägt in entscheidender Weise auch zur Diskussion der zentralen theologischen wie epistemologischen Frage nach dem Verhältnis von Universalität und Partikularität der Wahrheit Gottes bei.
Indem sie schließlich Interkulturalität als Wesensmerkmal des Christentums und der Theologie bewusst macht, zeichnet sich Interkulturelle Theologie als kritische theologische Wissenschaft aus, die immer wieder auch den Universalitätsanspruch westlicher Theologie in Frage stellt und ihre Begrenztheit aufzeigt. Das „Inter“ hat etwas Beunruhigendes, vielleicht auch etwas Anstößiges, in jedem Fall ist es kritisch und produktiv. Außerdem stellt sie die Frage, ob Theologien aus dem so genannten globalen Süden in Ländern des globalen Nordens überhaupt rezipiert und als relevant betrachtet werden.
In der Lehre möchte das Fach Interkulturelle Theologie in Bochum die Reflexion christlicher, religiöser und kultureller Pluralität außerhalb wie innerhalb Europas und die theologische Urteilsfähigkeit bei interkulturellen und interreligiösen Fragestellungen unterstützen.


Schwerpunkte Interkultureller Theologie an der RUB

Die Interkulturelle Theologie an der RUB legt neben dem markanten Fokus auf der Körperlichkeit, der alle Bereiche durchzieht, Schwerpunkte auf Afrika und Lateinamerika, kontextuelle Theologien in Asien, Afrika und Lateinamerika, postkoloniale und Gender-Theologien einschließlich daraus resultierender sozialethischer Fragen, Migrationstheologien, Entstehung und Wachstum von Pfingstkirchen v.a. in afrikanischen Ländern, den Zusammenhang von Globalisierung, Migration und Religion, Interkulturelle Gemeinden in NRW, das Ineinandergreifen von Religion, Politik und Fundamentalismus, Entwicklungspolitik und Religion, Kirchen in Transformationsprozessen (Südafrika und Ruanda) einschließlich der Entwicklung öffentlicher Theologien, Religionstheologien und Dialog der Religionen.
Neben „klassischen“ Formaten wie Vorlesungen und Seminaren werden Formen des forschenden Lernens unter Einbeziehung qualitativer Interviewtechniken und Inhaltsanalysen eingeübt. Englischsprachige Seminare unterstützen die englische Kommunikationsfähigkeit.


Körperlichkeit

Mit der Körperlichkeit hat die Interkulturelle Theologie in Bochum einen Schwerpunkt, der ganz auf der Höhe der Zeit kulturwissenschaftlicher Forschung wie auch gesellschaftlicher Herausforderungen liegt. Hochaktuelle Fragen wie die des transhumanistischen Enhancements des Körpers oder der gesellschaftlichen Normierung von Körperlichkeit, Körperwissen und Körperpraxis, sowie die Entstehung zahlreicher körperbezogener (religiöser) Rituale werden in den Kontext eines kulturellen und transkulturellen Wandels gestellt. Ethisches Nachdenken ist hier ebenso gefordert wie ein erweitertes Wissen um andere kulturelle Systeme und Werte sowie Kompetenz im Umgang mit „dem Anderen“.
„Körperlichkeit“ ist eine Grunddimension von Kultur. Seit den 1980er Jahren taucht der Körper in kultur- und geisteswissenschaftlichen Debatten verstärkt auf, nicht zuletzt eingeleitet durch Debatten über Gender und Körper, die „klassische“ Körperkonzep- tionalisierungen hinterfragen. Gleichzeitig werfen naturwissenschaftliche und medizinisch-technische Fortschritte neue körperbezogene ethische Fragestellungen auf. Anthropologisch-körperbezogene Themen stehen auch im Mittelpunkt zahlreicher gesellschaftlicher Debatten (Ehe für alle, Fragen von Anfang und Ende des Lebens, neue Rassismusdiskurse ausgelöst durch jüngere Migrationsbewegungen, die Frage des Sportunterrichts für Mädchen mit muslimischem Hintergrund u.v.m.). Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen haben körperbezogene politische Anthropologien und Philosophien etwa des „nackten Lebens“ als Fundament der Solidarität und der Orthopathie (z.B. Agamben, Nancy, Eagleton) hervorgerufen.
Für die Erforschung der Körperlichkeit bietet der breite interdisziplinäre Kontext der Ruhr-Universität einen optimalen Ausgangspunkt, denn diese Erforschung kann sinnvoll nur interdisziplinär und optimalerweise in internationalen Kooperationen geschehen.
Innerhalb der Evangelischen Theologie an der Ruhr-Universität hat die Erforschung des Körpers bereits eine längere Tradition, die sich in Forschungsschwerpunkten etwa zur biblischen Anthropologie und Ritualforschung, in Forschungen zur Vulnerabilität und zum Life Enhancement, in kirchengeschichtlichen Forschungen etwa zur Askese oder in Gender- und Queer-Forschungen niederschlägt.
Innerhalb der Interkulturellen Theologie werden Körperdiskurse bislang eher implizit als systematisch untersucht. Sie sind aber sowohl in historischen und missionswissenschaftlichen Untersuchungen als auch in der Analyse gegenwärtiger transkultureller und transreligiöser Phänomene permanent präsent. Eine transkulturelle Körpergeschichte im Allgemeinen wie eine transkulturell-religiöse Körpergeschichte im Besonderen bleiben bisher jedoch ein Forschungsdesiderat.
Ein wichtiges Forschungsfeld bildet in dieser Hinsicht die gegenwärtige religiös und kulturell plurale Situation in Deutschland und Europa. Sie stellt das Thema der Körperlichkeit vor neue Herausforderungen und verbindet es mit weiteren Diskursen und Fragestellungen: Interkulturelle Pflege und Seelsorge, vielfältige kulturell und religiös beeinflusste Lebens- formen, künstlerische Performanzen, die „den anderen“ Körper in den Mittelpunkt stellen, sind nur einige Phänomene, an denen deutlich wird, wie sehr Körperpraktiken von Religion und Kultur beeinflusst werden und Zugehörigkeit und Identität definieren. Diese interkulturelle Perspektive stellt sich die Aufgabe, zum Verständnis der Diversität kultureller Körperkonzepte und Körperpraktiken sowie zu einem friedlichen und konstruktiven Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft beizutragen.




Plakat Veranstaltung
Lupe