Anschrift

Professur für Interkulturelle Theologie und Körperlichkeit
Evangelisch-Theologische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum

GA Süd 8/51-53
Universitätsstraße 150
D-44780 Bochum

E-Mail:interkulturelle-theologie@rub.de



Vom 15. bis 18. Juli 2019 fand im Erbacher Hof in Mainz die Tagung „Towards an Ecumenical Missiology: Witnessing Christ" statt



Konferenz Mainz
Lupe

35 Theologinnen und Theologen aus Afrika, Asien, Nordamerika, dem Nahen Osten, Ozeanien, Lateinamerika und Europa kamen zusammen und gingen in ihren Vorträgen der Frage nach, inwieweit das Christusbekenntnis und eine davon ausgehende Christologie eine Basis für eine ökumenische Einheit in der Missionstheologie darstellen kann.
Christologische Entwürfe aus den Regionen Pazifik, Asien, dem Mittleren Osten, Afrika, Europa, Nordamerika und Lateinamerika wurden auf ihre Konsequenzen für die Missionstheologie befragt und dabei konfessionelle Konvergenzen und Divergenzen herausgearbeitet. Auch wenn sich unterschiedliche Stile der Theologie zwischen katholischer, protestantischer bzw. evangelikaler, freikirchlicher und pentekostaler Theologie zeigten, wurde im Verlauf der Konferenz deutlich: Die Konvergenzen und Divergenzen in den Christologien und ihre missionswissenschaftliche Implikationen verlaufen nicht entlang konfessioneller Grenzen. Entscheidender als die konfessionelle Beheimatung der Theologinnen und Theologen ist der jeweilige geographische und gesellschaftliche Kontext. Nähere Informationen

Summer School 2019 „Migration lokal denken. Religiöse Gemeinschaften vor Ort“

summer school
Lupe

Eine schiitische Hinterhofmoschee in Bochum, der buddhistische Tempel in Hamm, die syrisch-orthodoxe Kirche in Herne, polnisch-freikirchliche Christen, Christen der New Life Church in Düsseldorf – genau jene Vielfalt religiöser Gemeinschaften war Zentrum des Nachdenkens der Summer School „Migration lokal denken. Religiöse Gemeinschaften vor Ort“. Dass Menschen dieser Gemeinschaften mit Migrationshintergrund eine Stimme haben, eine Agency, und dadurch nicht nur für sich selbst, sondern auch für die ansässige Bevölkerung vor Ort eine Bereicherung sind, dafür votierte Regina Polak bei der Eröffnungsveranstaltung. Bei dieser hatten zunächst Vertreter genau jener religiösen Gemeinschaften selbst das Wort ergriffen und einen Einblick in das Leben ihrer Gemeinschaften vor Ort gegeben. An den nächsten drei Tagen wurde das Nachdenken im Zisterzienser-Kloster in Stiepel durch Vorträge prominenter Wissenschaftler wie Jochen Oltmer, Sebastian Steinbach, Ludger Pries, Traugott Jähnichen, Gian Aldonani, Egide Muziazia, Kristin Platt zu Themen wie Migrationstheorien, Migration im Revier, Identität, Raum, Integration untermauert und tiefgründige und innovative Diskussionen angeregt. Vor allem waren es aber die Studierenden selbst, die an jener Schnittstelle von Gesellschaft und Wissenschaft der Frage von Migration und Religion nachgingen. Sie hatten sich auf das interkulturelle Wagnis eingelassen und Gemeinden besucht. Ihre Erfahrungen des Besuchs waren der Ausgangspunkt für das Nachdenken und ihre Thesen.
Vielen Dank allen für die konstruktive Zusammenarbeit.





Interner Tagungsworkshop - transgressive bodies / Grenzüberschreitende Körper

Transgressive Bodies
Lupe

Vom 5.-06.Juli 2019 findet der interne Tagungsworkshop "Transgressive Bodies / Grenzüberschreitende Körper" statt.

Der Fokus der Tagung liegt auf grenzüberschreitenden Körpern in Geschichte und Gegenwart. Leitende Fragen sind: Wie wurde/wird mit diesen, die natürlichen, kulturellen und religiösen Grenzen überschreitenden Körpern in verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen umgegangen? Wie haben sie sich beispielsweise in Geschlechterbildern und Rassekonzpeten niedergeschlagen? Aktuelle Herausforderungen - etwa technische Möglichkeiten der Körpererweiterung - werden dabei mit historischen Perspektiven verbunden. Der mulitperspektivische und interdisziplinäre Ansatz der Tagung will die enorme wissenschaftliche und gesellschaftliche Produktivität von transgressive bodies in den Blick nehmen.

Die Tagung verbindet Disziplinen wie die Theologie, Neurowissenschaften, Kulturwissenschaften, Geschichte, Erziehungswissenschaft, Religionswissenschaft, Sportwissenschaften, Rehabilitationswissenschaften, Soziologie und Transhumnanismusforschung.

Die Tagung entstand im Rahmen einer interdiszplinären Forschungsgruppe, die sich explizit mit dem transgressiven Potenzial von Körpern auseinandersetzt.

Tagung und Festakt anlässlich der Eröffnung des Marie Jahoda Centers for International Gender Studies

Kristina Göthling Zimpel MaJaC
Lupe

Am 25. und 26. Juni 2019 fand die Eröffnungstagung des neuen Marie Jahoda Centers for International Gender Studies (MaJaC) an der Ruhr-Universität Bochum statt. Das MaJac stärkt mit dem Motto "Creating Gender Knowledge Networks - Building Bridges to Society" den Standpunkt der Gender Studies in Bochum.

Teil der Eröffnungstagung war auch ein Vortrag von Kristina Göthling-Zimpel "In thunder, lightning or in rain? Alte, reiche Frauen als Feindbilder - oder das christentumsgeschichtliche Hexenkonstrukt intersektional gedacht." in der Sektion "Bioordnungen -Intersektionale Perspektiven auf die Regulierung von Körpern" unter der Leitung von MaJaC Sprecherin Prof. Dr. Katja Sabisch, sowie Jun.-Prof. Dr. Heike Steinhoff. Hier finden Sie den Link zur Pressemitteilung für die Eröffnung des Marie Jahoda Centers for International Gender Studies

"Hoffnung für die Erde bezeugen - Internationale Konferenz in Wuppertal zu ökologischer Theologie und Ethik der Nachhaltigkeit"

Konferenz Wuppertl_Juni_2019
Lupe
© Foto: EMW

Auf einer bemerkenswerten internationalen theologischen Konferenz zur ökologischen Theologie und zur Ethik der Nachhaltigkeit, vom 16-19.06.2019 in Wuppertal, trafen sich 52 Delegierte aus 22 Ländern unterschiedlicher Konfessionen und Glaubenstraditionen.
Die Konferenz, die von BfdW, EKD, EMW, ÖRK und VEM gemeinsam organisiert wurde, hat den Aufruf „Kairos für die Schöpfung - Hoffnung für die Erde bezeugen" verfasst, mit weitreichenden Forderungen zunächst an die Kirchen weltweit. Er ist aber auch an die Zivilgesellschaft und die politisch Verantwortlichen, insbesondere im Hinblick auf die Erreichung der Paris Klimaziele, gerichtet. bitte weiterlesen: Kairos Hoffnung für die Welt

Hier finden Sie den Link zur Pressmitteilung des ÖRK.

Kolloquium Religion - Identität - Körper

Kolloquium
Lupe
© Kristina Göthling-Zimpel

Am 17.5 und 18.5.2019 fand das erste Kolloquium unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Jahnel statt. Unter dem Thema "Religion - Identität - Körper" diskutierten fortgeschrittene Studierende und Doktoranden über ihre eigenen Forschungsthemen.

Hanns-Lilje-Stiftungspreis Freiheit und Verantwortung 2019 verliehen

Prof. Dr. Claudia Jahnel wurde am 09.05.2019 mit dem Hanns-Lilje-Stiftungspreis Freiheit und Verantwortung ausgezeichnet.
Am Abend nahm sie in er Hannoverschen Marktkirche die Auszeichnung für ihre herausragende wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema „Interkulturelle Theologie und Kulturwissenschaft“ in Empfang.


Auf folgender Seite erhalten Sie die offizielle Presseinformation

Fotos: Hanns-Lilje-Stiftung / Jens Schulze


Öffentliche Vortragsreihe im Rahmen der Vorlesung Sommersemester 2019

Plakat Gesundheit - Krankheit - Heilung
Lupe
© Professur
Global Learning in Ecumenical Perspective

„Global Learning in Ecumenical Perspective"– das war das Thema eines viertägigen Think Tanks des internationalen Partnerschaftswerkes VEM aus Wuppertal, der vom 12.-15.12.18 in Villigst tagte. Prof. Dr. Claudia Jahnel stellt den internationalen akademischen und kirchlichen Partnern der VEM aus Asien und Afrika die Internationalisierungsinitiativen der Ruhr-Universitäten vor und lud dazu ein, Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Interkulturelles Lernen sei in einer globalisierten Welt dringend erforderlich. Dabei gehe es nicht nur darum, Kompetenz im Umgang mit VertreterInnen anderer Kulturen zu gewinnen. Wichtig sei es ferner besonders, Foren für gemeinsames Lernen - etwa in internationalen research groups - zu eröffnen.

https://www.vemission.org/news/details/article/denkfabrik-globales-lernen.html


Neuerscheinung: Reflecting Reformation and the Call for Renewal in a Globalized and Post-Colonial World


Die Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum haben in vielen protestantischen Kirchen weltweit mehrere Jahre in Anspruch genommen.
Es ist wohl das erste Reformationsjubiläum gewesen, bei dem deutlich wurde,
dass die Reformation eine weltweite, vielfältige, ökumenische Bewegung ist.

Die Beiträge im vorliegenden Band ,,reflektieren", wie sich die Impulse reformatischer Theologie in unterschiedlichen Kontexten widerspiegeln und wie sie weiterentwickelt und vertieft wurden. Ja, die Reformation ist Weltbürgerin geworden, aber nicht in einem immer gleichen Erscheinungsbild, nicht als Kopie, sondern immer als Original. Aus diesem Grund und ganz im Sinne des semperreformanda geht es im vorliegenden Band zugleich um eine kritische Revision von Engführungen reformatorischer Theologie und Kirchen.


Antrittsvorlesung von Frau Prof. Claudia Jahnel

Frau Prof. Claudia Jahnel hielt am 16.05. an der Ruhr-Universität Bochum ihre Antrittsvorlesung. Das Thema lautete: "Schwarze Haut. Passagen zwischen Interkultureller Theologie und Körperlichkeit." Prof. Reinhard von Bendemann, Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, hielt die Laudatio.

Beim anschließendem Empfang wurden mehrere Grußworte an Frau Jahnel gerichtet. So zum Beispiel von Dr. Pascal Bataringaya, Kirchenpräsident der Presbyterien Church of Ruanda und Vorstandsmitglied der Protestant University of Ruanda (PUR). Zwischen PUR und der Evangelisch-Theologischen Fakultät der RUB besteht schon seit einigen Jahren eine intensive Zusammenarbeit, die in diesen Tagen den Status einer offiziellen Kooperation zwischen RUB und PUR erhält.

Auch Jihad Nassif, Monsignore, der der syrisch- maronitischen Kirche angehört, hielt eine Ansprache. Er lebte während der systematischen Zerstörung von Homs weiter in dieser Stadt und hat darüber in vielen Vorträgen berichtet, so kann man im Internet vieles zu ihm finden. Zwischen seiner Arbeit und der Evangelisch-Theologischen Fakultät besteht seit einigen Jahren eine Verbindung, auch und gerade in der Unterstützung der theologischen Arbeit und der theologischen Ausbildung.

Das abschließende Grußwort kam von Frau Anette Muhrmann-Nelson als Vertreterin der Westfälischen Kirche und der Kirche des Rheinlandes. Sie hob besonders die Notwendigkeit hervor, dass die Kirche die theologische Reflexion durch die Universitäten benötigt, etwa im Feld der Interkulturellen Gemeinden.

Der Lehrstuhl für Interkulturelle Theologie und Körperlichkeit bedankt sich herzlich bei alle Mitwirkenden und BesucherInnen!


„Sich im Geist verändern - die Weltmissionkonferenz 2018 in Arusha" - Vortrag von Prof. Dr. Claudia Jahnel über die Weltmissionskonferenz in Arusha

Auf einer Tagung der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal (VEM) hielt Prof. Dr. Claudia Jahnel einen Vortrag über die theologischen Schwerpunkte und Entwicklungen, die sich auf der Weltmissionskonferenz in Arusha/Tansania, die vom 8.-14. März 2018 tagte, abzeichneten. Die im unregelmäßigen Abstand von 10-20 Jahren unter der Federführung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) stattfindenden Weltmissionskonferenzen sind Zeitansagen. Sie formulieren die Herausforderungen, vor denen Menschen weltweit stehen, und suchen nach gemeinsamen ökumenischen und internationalen Antworten und Reaktionen der Kirchen in der heutigen Zeit. Mit dem Konferenzort Arusha wollte der ÖRK ein Zeichen dafür setzen für die Lebendigkeit des Christentums in Afrika. Gleichzeitig wurde die schon bei der letzten Vollversammlung des ÖRK in Busan 2013 entwickelte Konzentration auf die Ränder der Gesellschaft als Orte der Entstehung von Theologie weiter reflektiert sowie der ebenfalls in Busan initiierte Pilgerweg für Gerechtigkeit und Frieden gestärkt.


Interkulturelle Theologie

Interkulturelle Theologie befasst sich mit den vielfältigen Gesichtern, die das Christentum heute infolge seiner geografischen Ausbreitung und der daraus resultierenden interkulturellen und interreligiösen Aushandlungsprozesse und Dialoge kennzeichnen.

Mit der deutschlandweit einzigartigen Fokussierung des Faches auf Körperlichkeit stellt sich die Interkulturelle Theologie an der RUB in den Kontext einer großen Frage unserer Zeit nach der Zukunft des Körpers zwischen seinem transhumanistischen bio-technischem Enhancement und dem Traum von der Überwindung von Krankheit, Altern und Tod einerseits und der Anwaltschaft für die Verletzlichkeit des Körpers und dem Widerstand gegen gesellschaftliche und kulturelle Normierungen und Normalisierungen andererseits.


Interkulturelle Theologie ist interdisziplinär

Interkulturelle Theologie ist, historisch betrachtet, aus dem Zusammenspiel von Religionswissenschaft, Missionswissenschaft und weltweiter Ökumene heraus entstanden. Neben diesen Forschungstraditionen sind ihr in der Auseinandersetzung mit Kolonialismus, antikolonialen Befreiungsbewegungen und Postkolonialismus, zunehmender Globalisierung, Säkularisierung und „Wiederverzauberung“, Genderdebatten, Migrationsforschung und kulturell-religiöser Pluralisierung Europas weitere methodische Zugangsweisen und Forschungsfelder zugewachsen.
Interkulturelle Theologie forscht und lehrt – die administrativ-wissenschaftspolitischen disziplinären Grenzziehungen überschreitend ¬– trans- und interdisziplinär. Von ihrer Herkunftsgeschichte her steht sie in besonderer Nähe zu Ethnologie, Anthropologie, außereuropäischen Philologien, Religionswissenschaft und Missionswissenschaft. Heute bezieht sie Gegenstände und Diskussionen auch aus anderen Disziplinen ein wie der Philosophie, der Soziologie, den Literaturwissenschaften oder der Medizin sowie der im Kontext globaler Verflechtungen erwachsenen, quer zu diesen Disziplinen liegenden postcolonial und subaltern studies. Letztere haben zusammen mit den Einsichten der neueren Kulturwissenschaften (cultural turns) die selbstkritische Reflexion der Produktion von Wissen über Kulturen, transkulturelle Verflechtungen und damit nicht zuletzt auch die Machtbeziehungen ins Zentrum der Interkulturellen Theologie gerückt.


Interkulturelle Theologie als Kulturwissenschaft

Die Einbindung kulturwissenschaftlicher Perspektiven in die Theologie ist nicht neu. Einer der renommiertesten Grenzgänger zwischen Theologie und Kultur war Ernst Troeltsch, für den die umwälzenden Veränderungen der Neuzeit mit der Notwendigkeit einer theologischen Reflexion dieser massiven kulturellen Veränderungen verbunden waren. Die rasanten Globalisierungsprozesse heute fordern die Theologie erneut dazu heraus, Gesellschaft, Kultur und Politik theologisch zu reflektieren – und dazu bedarf sie besonders der Einsichten andere kulturwissenschaftlicher Disziplinen und der Kooperation mit diesen.
Mein Markenzeichen in Interkultureller Theologie ist der kulturwissenschaftliche Zugang. Religionen sind kulturelle Systeme (Clifford Geertz). Das bedeutet: Religionen – einschließlich des Christentums – und kulturelle Zuschreibungen, Praktiken, kulturelles Wissen und kulturelle Symbole beeinflussen sich gegenseitig. Kontextuelle Theologien aus Asien, Afrika oder Lateinamerika entstehen wie europäische oder nordamerikanische Theologien nicht in einem kulturfreien Raum, sondern sind zutiefst geprägt von den Berührungen, Konflikten und Wechselwirkungen, die der Kontakt zwischen dem „christlichen Europa“ und anderen Zentren der Welt hervorgerufen hat. Diese kulturellen und religiösen Wechselwirkungen und interkulturellen Verflechtungen sind geradezu ein Charakteristikum heutiger kulturell pluraler Gesellschaften geworden. Der kulturwissenschaftliche Zugang trägt in spezifisch theologische Topoi und Debatten hochaktuelle kulturelle und gesellschaftliche Fragen ein wie die nach Identität und Zugehörigkeit, Sinn und Wissen, Macht und Gewalt oder Freiheit und Handlungsmacht.


Interkulturelle Theologie als theologische Disziplin

Interkulturelle Theologie ist deshalb jedoch nicht nur beschreibende, Theologie wahrnehmende Wissenschaft, sondern sie trägt auch zur „Theologiebildung“, das heißt: Sie hat auch eine orientierende und in diesem Sinn kritisch-normative Aufgabe und ist darin eine eigenständige theologische Disziplin mit vielfältigen Aufgaben für das Ganze der Theologie. Indem sie sich mit der synchronen wie diachronen Vielfalt der Christentümer und den interkulturellen Transformationsprozessen, die zu dieser Verschiedenheit beigetragen haben und beitragen, befasst, baut sie nicht nur Brücken des Verstehens und der Hermeneutik des Fremden. Sie trägt in entscheidender Weise auch zur Diskussion der zentralen theologischen wie epistemologischen Frage nach dem Verhältnis von Universalität und Partikularität der Wahrheit Gottes bei.
Indem sie schließlich Interkulturalität als Wesensmerkmal des Christentums und der Theologie bewusst macht, zeichnet sich Interkulturelle Theologie als kritische theologische Wissenschaft aus, die immer wieder auch den Universalitätsanspruch westlicher Theologie in Frage stellt und ihre Begrenztheit aufzeigt. Das „Inter“ hat etwas Beunruhigendes, vielleicht auch etwas Anstößiges, in jedem Fall ist es kritisch und produktiv. Außerdem stellt sie die Frage, ob Theologien aus dem so genannten globalen Süden in Ländern des globalen Nordens überhaupt rezipiert und als relevant betrachtet werden.
In der Lehre möchte das Fach Interkulturelle Theologie in Bochum die Reflexion christlicher, religiöser und kultureller Pluralität außerhalb wie innerhalb Europas und die theologische Urteilsfähigkeit bei interkulturellen und interreligiösen Fragestellungen unterstützen.


Schwerpunkte Interkultureller Theologie an der RUB

Die Interkulturelle Theologie an der RUB legt neben dem markanten Fokus auf der Körperlichkeit, der alle Bereiche durchzieht, Schwerpunkte auf Afrika und Lateinamerika, kontextuelle Theologien in Asien, Afrika und Lateinamerika, postkoloniale und Gender-Theologien einschließlich daraus resultierender sozialethischer Fragen, Migrationstheologien, Entstehung und Wachstum von Pfingstkirchen v.a. in afrikanischen Ländern, den Zusammenhang von Globalisierung, Migration und Religion, Interkulturelle Gemeinden in NRW, das Ineinandergreifen von Religion, Politik und Fundamentalismus, Entwicklungspolitik und Religion, Kirchen in Transformationsprozessen (Südafrika und Ruanda) einschließlich der Entwicklung öffentlicher Theologien, Religionstheologien und Dialog der Religionen.
Neben „klassischen“ Formaten wie Vorlesungen und Seminaren werden Formen des forschenden Lernens unter Einbeziehung qualitativer Interviewtechniken und Inhaltsanalysen eingeübt. Englischsprachige Seminare unterstützen die englische Kommunikationsfähigkeit.


Körperlichkeit

Mit der Körperlichkeit hat die Interkulturelle Theologie in Bochum einen Schwerpunkt, der ganz auf der Höhe der Zeit kulturwissenschaftlicher Forschung wie auch gesellschaftlicher Herausforderungen liegt. Hochaktuelle Fragen wie die des transhumanistischen Enhancements des Körpers oder der gesellschaftlichen Normierung von Körperlichkeit, Körperwissen und Körperpraxis, sowie die Entstehung zahlreicher körperbezogener (religiöser) Rituale werden in den Kontext eines kulturellen und transkulturellen Wandels gestellt. Ethisches Nachdenken ist hier ebenso gefordert wie ein erweitertes Wissen um andere kulturelle Systeme und Werte sowie Kompetenz im Umgang mit „dem Anderen“.
„Körperlichkeit“ ist eine Grunddimension von Kultur. Seit den 1980er Jahren taucht der Körper in kultur- und geisteswissenschaftlichen Debatten verstärkt auf, nicht zuletzt eingeleitet durch Debatten über Gender und Körper, die „klassische“ Körperkonzep- tionalisierungen hinterfragen. Gleichzeitig werfen naturwissenschaftliche und medizinisch-technische Fortschritte neue körperbezogene ethische Fragestellungen auf. Anthropologisch-körperbezogene Themen stehen auch im Mittelpunkt zahlreicher gesellschaftlicher Debatten (Ehe für alle, Fragen von Anfang und Ende des Lebens, neue Rassismusdiskurse ausgelöst durch jüngere Migrationsbewegungen, die Frage des Sportunterrichts für Mädchen mit muslimischem Hintergrund u.v.m.). Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen haben körperbezogene politische Anthropologien und Philosophien etwa des „nackten Lebens“ als Fundament der Solidarität und der Orthopathie (z.B. Agamben, Nancy, Eagleton) hervorgerufen.
Für die Erforschung der Körperlichkeit bietet der breite interdisziplinäre Kontext der Ruhr-Universität einen optimalen Ausgangspunkt, denn diese Erforschung kann sinnvoll nur interdisziplinär und optimalerweise in internationalen Kooperationen geschehen.
Innerhalb der Evangelischen Theologie an der Ruhr-Universität hat die Erforschung des Körpers bereits eine längere Tradition, die sich in Forschungsschwerpunkten etwa zur biblischen Anthropologie und Ritualforschung, in Forschungen zur Vulnerabilität und zum Life Enhancement, in kirchengeschichtlichen Forschungen etwa zur Askese oder in Gender- und Queer-Forschungen niederschlägt.
Innerhalb der Interkulturellen Theologie werden Körperdiskurse bislang eher implizit als systematisch untersucht. Sie sind aber sowohl in historischen und missionswissenschaftlichen Untersuchungen als auch in der Analyse gegenwärtiger transkultureller und transreligiöser Phänomene permanent präsent. Eine transkulturelle Körpergeschichte im Allgemeinen wie eine transkulturell-religiöse Körpergeschichte im Besonderen bleiben bisher jedoch ein Forschungsdesiderat.
Ein wichtiges Forschungsfeld bildet in dieser Hinsicht die gegenwärtige religiös und kulturell plurale Situation in Deutschland und Europa. Sie stellt das Thema der Körperlichkeit vor neue Herausforderungen und verbindet es mit weiteren Diskursen und Fragestellungen: Interkulturelle Pflege und Seelsorge, vielfältige kulturell und religiös beeinflusste Lebens- formen, künstlerische Performanzen, die „den anderen“ Körper in den Mittelpunkt stellen, sind nur einige Phänomene, an denen deutlich wird, wie sehr Körperpraktiken von Religion und Kultur beeinflusst werden und Zugehörigkeit und Identität definieren. Diese interkulturelle Perspektive stellt sich die Aufgabe, zum Verständnis der Diversität kultureller Körperkonzepte und Körperpraktiken sowie zu einem friedlichen und konstruktiven Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft beizutragen.